
Der Pinsel ist schon nass, bevor ich überhaupt richtig hingeschaut habe, was aus der kleinen Pfütze Blau auf der Palette werden soll. So fängt bei mir inzwischen jeder Sonntagvormittag an, ganz ohne Vorrede. Dass ausgerechnet die Aquarellmalerei zu meiner festen Beschäftigung im Ruhestand geworden ist, hätte ich mir mit 58 nicht träumen lassen – aber genau das ist für mich inzwischen die sinnvollste Art, die freien Vormittage zu füllen, seit ich kein Klassenbuch mehr unter dem Arm trage.
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Der Küchentisch wird zur Malecke
Mein runder Holztisch steht am Ostfenster, und an der Kante zum Fenster hin ist der Lack inzwischen so abgewetzt, dass man genau sieht, wo ich mich sonntags immer wieder aufstütze. Das Fenster bleibt auch im Winter einen Spalt offen, die Kaffeetasse steht links vom Block, genau wie immer, und auf dem schmalen Brett gegenüber warten die fertigen Blätter, bis sie trocken genug zum Wegräumen sind.
Eine Kollegin hatte mir kurz vor meinem Abschied aus der Grundschule von Pinseln erzählt, fast beiläufig, auf dem Flur zwischen zwei Unterrichtsstunden. Sie meinte, Aquarell verzeihe einem mehr als jede andere Technik, man müsse nur lernen, die Kontrolle ein Stück abzugeben. Nach 35 Jahren im Schuldienst war genau das der Satz, der bei mir hängen blieb.
Warum legte ich den Bleistift nach drei Lektionen wieder weg?
Ordentlich wollte ich es angehen, wie früher beim Aufstellen eines Stoffverteilungsplans. Also probierte ich zuerst den Zeichnen Lernen Kurs aus, ein Programm, das schon länger am Markt ist und solide Grundlagen vermittelt. Nach drei Lektionen merkte ich: Die harte Mine auf dem Papier erinnerte mich zu sehr ans Korrigieren von Diktaten, dieses leise Kratzen, bei dem ich innerlich sofort wieder in den Lehrerinnen-Modus zurückfiel.
Wer die Geduld dafür hat und wirklich von Grund auf zeichnen lernen will, bekommt dort einen günstigen, sauber aufgebauten Einstieg – nur für mich war es in diesem Moment der falsche Weg, wie ich auch in meinem Bericht Locker zeichnen lernen für Anfänger: Wie ich den Bleistift richtig führe ausführlicher beschrieben habe. Im Ruhestand darf man wählerisch sein, dachte ich mir, und legte den Stift beiseite.

Die Lesegruppe hielt mich nicht lange
Vor dem Aquarell hatte ich es mit einer Lesegruppe in der Nachbarschaft versucht. Drei Abende bin ich hingegangen, aber das Sitzen und Zuhören fühlte sich zu passiv an, fast so, als säße ich wieder in der letzten Reihe einer Fortbildung, die ich mir nicht ausgesucht hatte.
Seit jenem Herbst, in dem ich stattdessen zum Pinsel griff, ist der Sonntagvormittag das, was mir wirklich gehört. Den kompletten Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs] von Timothy90 habe ich inzwischen durchgearbeitet, und was mich daran am meisten überzeugt hat, war das Tempo – keine Lektion, die länger dauert als eine Tasse Kaffee braucht, um kalt zu werden.
Stillstand im Pinsel: der dritte Sonntag
Am dritten Sonntag passierte etwas, worüber ich selbst gestaunt habe: Ich zog die erste Linie für einen Himmel, und meine Hand zitterte nicht. Kein Nachjustieren, kein Innehalten zwischendurch – der Strich kam einfach heraus, als hätte ich das schon hundertmal gemacht. Bis zur vierten Woche war daraus kein Zufall mehr, sondern ein Muster: Montags erinnerte ich mich noch an Einzelheiten vom Sonntag, was vorher nie der Fall war.
Das heißt nicht, dass seitdem alles gelingt. Genau an jenem Sonntag geriet mir ein Baum im Hintergrund so matschig und dunkel, dass ich ihn am liebsten weggeradiert hätte, so wie früher Kreide von der Tafel. Aquarell verzeiht das Überarbeiten aber nicht, und irgendwann habe ich aufgehört, dagegen anzukämpfen, und den Fleck einfach als Schatten stehen lassen.

Malen mit Händen, die morgens nicht sofort mitmachen
Worüber in den schönen Malbüchern selten gesprochen wird, sind die Finger am frühen Sonntagmorgen. Mit 58 merke ich oft eine gewisse Steifigkeit in den Gelenken, bevor der erste Kaffee überhaupt wirkt – ob das schon eine beginnende Arthritis ist, weiß ich nicht genau, mein Hausarzt zuckt bei der Frage eher mit den Schultern. Genau deshalb passt Aquarell so gut zu mir: Der Pinsel verlangt keinen harten Druck, die Bewegung darf locker aus dem Handgelenk kommen.
Ein paar Dinge haben sich bei mir eingespielt: Pinsel mit dickeren Griffen liegen einfach ruhiger in der Hand, meine Sessions bleiben selten länger als zwei Stunden am Stück, und ich greife inzwischen zu festerem Papier, das sich nicht gleich wellt, sobald mehr Wasser draufkommt. Es geht dabei nicht um ein Ausstellungsstück, sondern darum, dass die Finger in Bewegung bleiben. Wie das auch mit körperlichen Einschränkungen gelingen kann, habe ich in Meine ehrliche Meinung zum Aquarell online malen lernen für absolute Einsteiger ausführlicher aufgeschrieben.
Vom Küchentisch in den Hofgarten und bis nach Heidelberg
Manchmal nehme ich das kleine Reiseset mit in den Hofgarten der Residenz, setze mich auf eine Bank und schaue erst eine Weile, wie das Licht durch die alten Bäume fällt, bevor ich den Farbkasten überhaupt aufklappe. Elfrun, eine Bekannte aus der Aquarellrunde, mit der ich seitdem hin und wieder telefoniere, hat mir neulich einen ganz einfachen Hinweis gegeben, ohne ein einziges Fachwort: lieber öfter mit wenig Wasser nachtupfen, statt einmal zu viel aufzutragen.
Genau so unkompliziert nehme ich den Skizzen Video-Kurs mit, wenn ich meine Tochter in Heidelberg besuche – kein strenger Aufbau, eher einzelne Impulse für unterwegs im Zug. Mehr dazu steht unter Warum Skizzieren auf Reisen für Anfänger im Zug nach Heidelberg entspannt.
Neulich hat mein Enkel eines meiner missratenen Bilder gelobt, weil er darin ein Monster entdeckt hatte, wo ich eigentlich nur einen missglückten Baumstamm gemalt hatte. Kinder sehen eben Dinge, die wir uns selbst erst mühsam wieder beibringen müssen.

Noch einmal Schülerin sein im Ruhestand, ganz ohne Note
Den Menschen Zeichnen Masterkurs habe ich nach drei Wochen wieder pausiert, weil mir die Zwölf-Wochen-Struktur und das Tempo zu viel wurden – man muss nicht alles zu Ende bringen, nur weil man es angefangen hat. Vielleicht wage ich mich später noch einmal an Gesichter, wenn die Zeit dafür reif ist.
Wer selbst überlegt, wie die eigene Zeit im Ruhestand sinnvoll gefüllt werden kann, dem rate ich zu etwas, bei dem man wieder Schülerin sein darf, ohne dass es perfekt werden muss. Der Aquarell Online Kurs war für mich diese Brücke in ein neues, buntes Leben, und die Kursseite selbst zeigt den aktuellen Stand und Preis direkt beim Anbieter.
Die eine Lektion, die bei mir hängen geblieben ist: Nicht das fertige Bild zählt, sondern dass die Hand sonntags wieder etwas zu tun bekommt, bei dem niemand eine Note vergibt. Hab Geduld mit dir selbst, so wie wir früher mit unseren Schülern.