
Ein grauer Novembersonntag, kurz nach sieben Uhr morgens. Draußen ist es noch so dunkel, dass die Küchenscheibe wie ein schwarzer Spiegel wirkt. Das Fenster ist einen Spalt offen, die kühle Würzburger Morgenluft mischt sich mit dem Duft meines ersten Kaffees. Als ich so dasaß und in die Scheibe starrte, sah ich mein eigenes Spiegelbild – die Falten um die Augen, die ich seit meiner Pensionierung im Juli 2024 viel bewusster wahrnehme, und das graue Haar, das im Lampenlicht fast silbern schimmert. Da kam mir der Gedanke: Renate, du hast im letzten Jahr so viele Bäume und Blumen gemalt, aber warum traust du dich eigentlich nicht an Gesichter?
Bevor ich euch von meinem ersten, ziemlich kläglichen Versuch erzähle, ein kleiner Hinweis: Auf dieser Seite findet ihr einige Links zu Kursen. Wenn ihr darüber etwas bucht, bekomme ich eine kleine Provision. Für euch kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst mit meinem eigenen Geld bezahlt und über Wochen hinweg ausprobiert habe. Als ehemalige Lehrerin nehme ich die Ehrlichkeit da sehr genau.
Die Hemmschwelle vor dem Porträt: Schwieriger als jedes Diktat
In meinen 35 Dienstjahren an der Grundschule habe ich Tausende von Diktaten korrigiert. Ich wusste immer genau, wo das Komma fehlt oder warum ein Kind das 'h' vergessen hat. Aber ein Gesicht? Das fühlte sich für mich an wie eine Fremdsprache, die ich nie gelernt habe. Ich hatte im letzten Jahr zwar den Aquarell Online Kurs von Timothy90 komplett durchgearbeitet, aber dort ging es eher um Landschaften und die Leichtigkeit der Farben. Gesichter waren für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
Ich erinnerte mich an den Menschen Zeichnen Masterkurs, den ich mir im Spätherbst 2025 eigentlich schon einmal vorgenommen hatte. Damals habe ich nach Lektion 3 pausiert. Der Bleistift fühlte sich in meinen Händen einfach falsch an – zu hart, zu unnachgiebig. Ich bin eben eine Frau der Pinsel geworden. Aber jetzt, an diesem dunklen Novembermorgen, packte mich der Ehrgeiz. Ich dachte mir: Renate, du hast 35 Jahre lang Kindern das Schreiben beigebracht, jetzt wirst du wohl lernen, wie man ein Ohr positioniert.

Vom Umgang mit Proportionen und unruhigen Haustieren
Einer der größten Fehler, den ich als Anfängerin machte, war der Glaube, die Augen lägen ganz weit oben am Kopf. Aber eine der ersten Lektionen im Masterkurs lehrte mich: Die Augenlinie liegt anatomisch gesehen etwa in der Mitte des Kopfes. Das klingt logisch, sieht aber auf dem Papier erst einmal völlig falsch aus, wenn man es zum ersten Mal skizziert. Ich saß also da, das Aquarellpapier vor mir, und hörte das kratzende Geräusch der Feder, während draußen die Vögel in meinem Garten langsam erwachten.
Und dann kam die Herausforderung, die in keinem Lehrbuch steht: Mein kleiner Terrier-Mischling. Wer wie ich im Ruhestand ein unruhiges Haustier hat, weiß, dass Aquarellmalen Extremsport sein kann. Gerade als ich die erste Lasur für die Hauttöne anrührte, entschied er, dass es Zeit für ein Leckerli sei. Ein Stupser gegen mein Knie, und schon war da ein dicker, brauner Wasserfleck mitten auf der Stirn meines Porträts. Standard-Anleitungen ignorieren völlig, dass man im echten Leben ständig Gefahr läuft, Pfotenabdrücke im feuchten Bild zu haben. Ich musste lernen, meinen Arbeitsplatz so zu organisieren, dass der Hund nicht direkt unter dem Tisch liegt, wenn ich mit nassen Farben hantiere. Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz ist die halbe Miete, besonders wenn man nicht allein im Haus ist.
Mein erster Versuch: Die zerknitterte Kartoffel
Mitte Februar, bei peitschendem Schneeregen gegen die Fensterscheiben, wagte ich mich an die erste Farbschicht meines Selbstbildnisses. Ich wollte mutig sein mit den Schatten. Das Ergebnis? Mein erster Versuch eines Selbstporträts sah eher aus wie eine zerknitterte Kartoffel als wie eine Frau Ende 50, weil ich die Schatten unter den Augen viel zu dunkel anmischte. Ich hatte vergessen, dass Aquarellfarben auf dem Papier deutlich heller auftrocknen, als sie im nassen Zustand erscheinen. In diesem Moment sah ich im Spiegel nur die Müdigkeit, nicht die Freude am neuen Hobby.
Aber ich habe in meinem Aquarell Tagebuch gelernt, auch solche Misserfolge zu behalten. Es gehört dazu. Der Masterkurs, den es übrigens schon seit 6,5 Jahren auf Digistore24 gibt, hat eine sehr klare 12-Wochen-Struktur. Ich habe mich dieses Mal entschieden, nicht zu hetzen. Wenn eine Lektion über Nasen eine ganze Woche dauert, dann ist das eben so. Ich bin im Ruhestand, ich habe keinen Lehrplan mehr zu erfüllen.

Ein Moment der Stille und die erste Pupille
Nach etwa vier Wochen Übung – wir hatten mittlerweile März und die ersten Krokusse schauten im Garten hervor – passierte etwas Magisches. Ich setzte den Pinsel an, um die Pupille in meinem gemalten Gesicht zu malen. Ich spürte ein leichtes Zittern in den Fingerspitzen. Es ist dieser eine Moment, in dem ein Bild plötzlich anfängt, dich anzusehen. Es ist nicht mehr nur ein Fleck aus Ocker und Siena, es ist ein Blick.
Ich nutze für solche Details oft die Techniken aus dem Skizzen-Videokurs, den ich eigentlich für die Fahrten zu meiner Tochter nach Heidelberg gekauft hatte. Diese schnellen, kleinen Impulse helfen mir, nicht zu verkrampfen. Ein Porträt muss keine Fotografie sein. Es darf die Zärtlichkeit eines Moments einfangen, auch wenn das linke Ohr vielleicht zwei Millimeter zu tief sitzt. Mein Enkel, der letzte Woche zu Besuch war, betrachtete das Bild und sagte: "Oma, das bist du, aber du siehst so friedlich aus." Das war für mich das größte Lob, weit mehr als jede perfekte Proportion.

Warum es sich lohnt, mit 58 noch einmal bei Null anzufangen
Letzte Woche saß ich wieder am Küchentisch. Das fertige Aquarell-Porträt lag neben meiner Kaffeetasse. Es ist unperfekt, ja. Die Schatten an der Schläfe sind ein bisschen zu grünlich geraten, und man sieht ganz leicht den Rand, wo ich versucht habe, einen Pfotenabdruck wegzutupfen. Aber es ist ein Beweis dafür, dass man auch nach 35 Jahren im selben Beruf noch einmal ganz neue Wege gehen kann.
Wenn du auch überlegst, dich an Menschen heranzuwagen, kann ich dir den Menschen Zeichnen Masterkurs wirklich empfehlen – aber nur, wenn du bereit bist, dir Zeit zu lassen. Er ist systematisch und fordert einen heraus, was manchmal anstrengend sein kann, wenn man eigentlich nur ein bisschen entspannen will. Wenn du es lieber sanfter magst und erst einmal das Gefühl für den Bleistift zurückgewinnen willst, ist der Zeichnen Lernen Kurs vielleicht der bessere, ruhigere Einstieg. Er ist schon sehr lange am Markt und hat mir geholfen, überhaupt erst mal wieder einen Stift richtig zu halten, bevor ich ihn nach drei Lektionen für den Pinsel weggelegt habe.
Das Malen hat meinen Blick auf mich selbst verändert. Ich sehe im Spiegel nicht mehr nur die Falten, sondern die Farben, die ich mischen müsste, um sie zu malen. Und das ist ein schönes Gefühl für einen Sonntagvormittag. Nächste Woche versuche ich mich an meinen Händen – die haben im Garten und in der Schule so viel gearbeitet, die haben es verdient, einmal gemalt zu werden. Vielleicht ohne Pfotenabdrücke diesmal.