Aquarell Sonntag

Reiseskizzenbuch gestalten für Anfänger: Tipps für meine Fahrten nach Heidelberg

Der Regionalexpress ruckelt sanft, während die Weinberge im Maintal an mir vorbeiziehen. Auf meinen Knien liegt das kleine, noch fast leere Skizzenbuch, in der Hand halte ich den Bleistift. Es ist dieser eine Moment, kurz nach der Abfahrt in Würzburg, in dem die Welt draußen stiller wird und die Vorfreude auf meine Tochter in Heidelberg wächst. Früher hätte ich in einem Korrekturstapel Deutschaufsätze gewühlt, heute suche ich nach der richtigen Linie für den Horizont.

Seit ich im Juli 2024 meine Kreide gegen Aquarellpinsel getauscht habe, ist viel passiert. Der Übergang von meinem sicheren Küchentisch, wo ich sonntags zwischen sieben und neun Uhr mein festes Ritual habe, hin zum wackeligen Klapptisch im Zug war eine echte Herausforderung. In der Schule habe ich meinen Schülern immer gesagt: Habt Geduld mit euch. Jetzt muss ich diesen Satz Woche für Woche für mich selbst wiederholen, besonders wenn der Zug bei einer Kurve einen Ruck macht und mein Strich plötzlich im Nirgendwo landet.

Vom Küchentisch in den ICE: Aller Anfang ist wackelig

In meinem ersten Monat ohne Stundenplan war es zu Hause plötzlich so still. Diese Stille fülle ich nun mit Farbe. Aber unterwegs ist alles anders. Die Reise von Würzburg nach Heidelberg dauert mit dem ICE etwa 90 Minuten – eine wunderbare Zeitspanne, um zur Ruhe zu kommen. Doch die Angst vor dem leeren Blatt reist oft mit. Am Küchentisch habe ich meine Wasserbecher und meine feste Unterlage, im Zug habe ich nur meine Knie und einen klapprigen Plastiktisch.

Ein kleines Skizzenbuch auf dem Schoß während einer Zugfahrt mit Blick aus dem Fenster.

Während der Osterfeiertage habe ich das erste Mal versucht, die Landschaft direkt einzufangen. Es war ein Desaster. Ich wollte alles gleichzeitig: die Bäume, das Licht, die Geschwindigkeit. Am Ende war es nur ein grauer Matsch. Da erinnerte ich mich an mein Aquarell Tagebuch für Anfänger und daran, dass auch die misslungenen Seiten dazu gehören. Es geht nicht darum, ein Meisterwerk für eine Galerie zu schaffen, sondern den Moment festzuhalten, in dem der Schaffner lächelnd an mir vorbeiging.

Das kleine Gepäck: Warum weniger wirklich mehr ist

Anfangs dachte ich, ich müsste meinen kompletten Malkasten mitschleppen. Ein schwerer Fehler. Nach etwa vier Zugfahrten hatte ich Rücken- und Nackenschmerzen vom schweren Rucksack. Heute bin ich minimalistischer. Ein Skizzenbuch im Format DIN A6 ist ideal – es ist so groß wie eine Postkarte und passt in jede Handtasche. Das Papier ist dabei entscheidend. Ich nutze eines mit einem Flächengewicht von 300 g/m². Das ist stabil genug, damit es sich nicht wellt, wenn ich später Farbe auftrage.

Anstatt Wassergläser zu balancieren, nutze ich einen Wassertankpinsel. Das ist ein kleiner Kunststoffpinsel, bei dem das Wasser direkt im Griff steckt. Das verhindert das Verschütten von Malwasser in öffentlichen Verkehrsmitteln fast komplett – außer man ist so tollpatschig wie ich. Vor zwei Wochen im August passierte es nämlich doch: Ein großer, ungewollter Klecks 'Preußischblau' landete auf dem hellen Sitzbezug, weil der Zug abrupt bremste. Ein kurzer Moment der Panik schoss durch mich durch, wie damals, wenn ein Kind im Sachunterricht die Tinte verschüttet hatte. Zum Glück ließ es sich mit einem feuchten Tuch und viel Entschuldigung beim Nachbarn regeln.

Minimalistisches Aquarell-Reiseset mit Wassertankpinsel und kleinem Farbkasten auf einem Zugtisch.

Mein wichtigster Tipp: Skizzieren im Zug, Malen im Hotel

Hier kommt meine persönliche Erkenntnis, die alles verändert hat: Ich habe aufgehört, im fahrenden Zug mit nasser Farbe zu hantieren. Es ist einfach zu stressig. Mein neuer Weg sieht so aus: Während der Fahrt konzentriere ich mich rein auf das Zeichnen. Ich fange die Umrisse ein, notiere mir mit kleinen Worten wie 'warmes Gelb' oder 'tiefer Schatten', welche Farben ich dort gesehen habe. Das nimmt den Leistungsdruck komplett heraus.

Die Farben trage ich erst abends bei meiner Tochter oder im Hotel in völliger Ruhe auf. Dann mischt sich der Geruch von frischem Kaffee mit dem Duft der feuchten Pigmente, und ich kann das sanfte Vibrieren des Zuges unter meinem Pinsel fast noch nachspüren, während ich die Flächen fülle. Wenn du dich fragst, wie du überhaupt anfangen sollst, hilft es oft, erst einmal einfache Alltagsgegenstände wie eine Kaffeetasse zu skizzieren, bevor man sich an das Heidelberger Schloss wagt.

Kleine Momente statt großer Panoramen

Ein weiterer Wendepunkt war ein schwüler Nachmittag im Juli. Ich saß am Neckarufer und starrte auf die Alte Brücke. Ich fühlte mich völlig überfordert von der Architektur. Dann habe ich mich besonnen: Ich muss nicht das ganze Aquarell-Panorama malen. Ich habe stattdessen nur meine Fahrkarte und die kleine Blume am Wegrand gezeichnet. In diesem Moment verschwand der Druck, etwas 'Richtiges' abliefern zu müssen.

Eine fertige Aquarellskizze einer Blume und einer Fahrkarte in einem Skizzenbuch.

Meine Skizzen sind nicht perfekt. Manchmal ist die Perspektive schief, manchmal wirkt das Blau zu hart. Aber wenn ich heute durch das Buch blättere, sehe ich nicht die Fehler. Ich sehe die Vorfreude auf Heidelberg. Ich sehe den Sonntagvormittag, an dem ich mir den Skizzen-Videokurs gegönnt habe, um endlich zu verstehen, wie ich Schatten setze. Und ich sehe das Lächeln meines Enkels, der neulich meinte: 'Oma, der Baum sieht aber lustig aus.' Er hat recht, und das ist völlig okay.

Wenn du also auch mit dem Gedanken spielst, ein Reiseskizzenbuch anzufangen: Trau dich einfach. Pack einen wasserfesten Fineliner und ein kleines Buch ein. Der Rest kommt mit der Übung – und mit jedem Kilometer, den der Zug dich von deinem Alltag wegträgt. Manchmal hilft es auch, sich vorher anzusehen, wie man alte Fachwerkhäuser zeichnen lernen kann, um ein Gefühl für die Linien der Heidelberger Altstadt zu bekommen. Aber am Ende zählt nur der Moment, in dem der Stift das Papier berührt.

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