Aquarell Sonntag

Aquarellmalerei als Hobby: Mein Weg zur kreativen Entspannung im Ruhestand

Der Pinsel taucht zweimal ins Wasserglas, und das Kobaltblau zerläuft mit einem Hauch Siena zu genau dem Grauton, den die Dächer gegenüber gerade haben. Kein Zögern, keine Rechnerei, die Hand weiß inzwischen, wie viel Wasser sie braucht, bevor der Kopf überhaupt mitdenkt. Mein Aquarell-Tagebuch ist genau das geworden, was ich mir von einem kreativen Hobby im Ruhestand erhofft hatte: ein Einstieg mit über 50, bei dem niemand zusieht und bewertet, und trotzdem diese Entspannung beim Malen, die mir in den ersten Monaten ohne Schule gefehlt hat.

Bevor es weitergeht, kurz zur Offenheit: Auf dieser Seite verlinke ich Kurse, für die ich eine kleine Provision bekomme, wenn du darüber kaufst – am Preis ändert das für dich nichts. Empfohlen wird hier nur, was tatsächlich bei mir auf dem Tisch gelandet ist und über Monate getestet wurde. Das bleibt unter uns Ruheständlerinnen so ehrlich wie möglich.

Was braucht man wirklich für den Hobby-Einstieg nach 50?

Schweres Aquarellpapier und zwei vernünftige Pinsel reichen am Anfang völlig, mehr Ausrüstung macht aus einer Anfängerin keine bessere Malerin, nur eine ärmere. Ein zu dünnes Blatt verrät sich sofort: Es wellt sich schon beim zweiten nassen Strich, während ein kräftigeres Papier die Feuchtigkeit aushält, ohne Wellen zu schlagen, und genau das ist für mich das einzige Kriterium, das beim Kauf wirklich zählt. Bei den Pinseln war die Auswahl am Anfang verwirrend, bis klar wurde: Ein feiner und ein etwas breiterer erledigen fast jedes Motiv, das mir bisher untergekommen ist.

Dahin bin ich allerdings nicht direkt gekommen. Vorher hatte ich kurz einen Online-Kurs für Ölmalerei angefangen, und der Geruch der Farben in der Küche zusammen mit den endlosen Trockenzeiten zwischen den Schichten hat mich schnell wieder davon abgebracht. Für eine Wohnung mitten in der Stadt war das schlicht unpraktisch, während Aquarell in Minuten statt in Tagen trocknet.

Dass die Küche überhaupt wieder zu etwas Sinnvollem wurde, hängt für mich eng mit dem Ruhestand selbst zusammen. Es ist eine Form von sinnvoller Zeitgestaltung im Ruhestand, auf die ich vorher nicht gekommen wäre, und sie braucht kein großes Atelier, nur einen freien Vormittag.

Porzellanpalette mit Aquarellfarben und Wasserglas – Materialien für den Hobby-Einstieg nach 50

Die Grundbewegungen, die am Anfang alles entscheiden

Zeichnen und Malen sind für mich zwei verschiedene Sprachen, und keine ist leichter als die andere, nur unterschiedlich ungeduldig: Beim Zeichnen zählt die genaue Linie, beim Aquarell der Moment, in dem man aufhören muss, bevor man zu viel macht. Den Zeichnen Lernen Kurs, den es nach eigener Aussage schon seit 6,5 Jahren gibt, habe ich mir trotzdem angesehen, weil ich wissen wollte, ob ein Einstieg über Bleistift mir das Aquarellieren leichter gemacht hätte. Für mich persönlich bleibt Farbe aber der direktere Weg.

Wasser und Farbe im richtigen Verhältnis zu halten entscheidet über fast alles, was danach passiert: Tropft die Farbe eher vom Pinsel, statt zu fließen, ist zu viel Wasser im Spiel, und das Papier fängt an zu fusseln. Mischen habe ich mir größtenteils selbst beigebracht, einfach durch Ausprobieren auf einem Testzettel neben dem eigentlichen Bild, bis ein Grün oder ein Hautton stimmte. Nass-in-Nass zu arbeiten, also Farbe in noch feuchtes Papier zu setzen, ist das Gegenteil von Kontrolle, und genau das macht für mich den Reiz der ganzen Technik aus.

Mehrere Farbschichten übereinanderzulegen, sobald die untere wirklich trocken ist, gibt einem Bild erst die Tiefe, die ein einziger Farbauftrag nie schafft. Weiße Stellen freizuhalten ist dabei oft die größere Kunst als das Farbeauftragen selbst, und Maskierflüssigkeit rettet Stellen, die man sonst hinterher mühsam freikratzen müsste. Die sogenannte Negativtechnik, also das Drumherum-Malen statt das Motiv selbst zu malen, hat mich lange verwirrt, bis klar wurde, dass man damit nur das Licht stehen lässt, das schon da ist.

Mit einem fast trockenen Pinsel über raues Papier zu fahren, gibt Struktur, die Gras oder Stein glaubwürdiger wirken lässt. Manche Pigmente sind von Natur aus eher durchscheinend und manche eher deckend, und erst wenn man das weiß, versteht man, warum zwei Blautöne auf dem Papier so verschieden wirken können. Wie man Aquarellfarben richtig entsättigt, war lange ein Rätsel, bis mir jemand aus meinem Kurs den Trick mit der Komplementärfarbe erklärt hat. Am Ende sind es die Kontraste zwischen hell und dunkel, die ein Bild von Weitem lesbar machen, nicht die Farbe selbst.

Sehen lernt man vor dem Malen

Seit ich male, sehe ich Schatten anders: nicht mehr als Grau, sondern als eigene Farbe mit einem Hauch Blau oder Violett darin, je nachdem, woher das Licht kommt. Licht und Schatten sind am Ende das, was ein flaches Blatt Papier erst räumlich wirken lässt, und kein Motiv, egal wie einfach, kommt ganz ohne das aus.

Wie ich ein Bild aufbaue, also was vorne steht, was hinten verschwimmt und wohin der Blick zuerst wandert, entscheide ich inzwischen, bevor der erste Pinselstrich überhaupt fällt. Fluchtpunkte und Perspektive habe ich nie unterrichtet – Sachunterricht war mein Fach, nicht Kunst –, und trotzdem braucht man sie, sobald eine Straße oder ein Hausdach schräg nach hinten laufen soll.

Skizzenbuch, Linie und der Mut zum Loslassen

Unterwegs zu skizzieren ist etwas ganz anderes als der ruhige Vormittag am Küchentisch, und genau deshalb lohnt es sich: Im Zug oder beim Warten irgendwo hat man weder die Zeit noch die Ruhe für Perfektion. Für die Fahrten zu meiner Tochter nach Heidelberg habe ich mir extra einen Skizzen Video-Kurs gegönnt, weil kurze Impulse zwischen zwei Bahnhöfen besser passen als ein langer Lehrgang.

Linie und Lavur zu kombinieren, also erst mit einem Fineliner die Kontur zu setzen und danach locker Farbe darüberzulegen, nimmt den Druck raus, genau in der Linie bleiben zu müssen. Überhaupt locker zu malen, statt jeden Strich zu kontrollieren, ist die Übung, an der ich am längsten gesessen habe – eine ehemalige Grundschullehrerin, die loslassen lernt, ist fast ein Widerspruch in sich.

Die meisten dieser Handgriffe habe ich mir nicht selbst ausgedacht, sondern durch den Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs] aufgesogen, der mir nie das Gefühl gegeben hat, etwas falsch zu machen. Die Lektionen sind kurz genug für einen Sonntagvormittag, ohne dass man danach das Gefühl hat, eine Hausaufgabe nachzuholen.

Ganz einfache Gegenstände wie eine Kaffeetasse zu skizzieren sind dafür eine gute Übung, bevor man sich an etwas Kompliziertes wagt – ein Henkel, ein Schatten, ein Glanzlicht auf der Glasur, mehr braucht ein erstes Motiv nicht.

Aquarell-Skizzenbuch mit misslungenem Bild neben frischem Papier – Entspannung beim Malen auch aus Fehlern

Der Sonntag als feste Gewohnheit

An Gesichter habe ich mich bisher kaum herangetraut. Ich habe kurz in den Menschen Zeichnen Masterkurs hineingeschaut, der für systematisches Üben über zwölf Wochen aufgebaut ist, aber für mich gerade zu viel Tempo und zu viel Druck auf einmal war. Die richtigen Proportionen eines Gesichts zu treffen, kommt später – erst will ich das Fließen der Farbe wirklich beherrschen.

Dass der Sonntag für mich zur festen Gewohnheit geworden ist und nicht zur gelegentlichen Ausnahme, merke ich daran, dass ich mich unter der Woche manchmal richtig darauf freue. Ein misslungenes Bild – zu viele Schichten übereinander, bis das Papier regelrecht matschig wirkt – gehört inzwischen genauso zur Übung wie ein gelungenes.

Neulich, am Rand des Würzburger Marktplatzes, habe ich die Grüntöne für eine Hecke gemischt, ohne lange nachzudenken, und sie haben auf Anhieb gepasst. Kein großer Moment, einfach eine Hand, die inzwischen weiß, was sie tut, ohne dass der Kopf vorher gefragt wurde.

Meine Schulfreundin Trudel Henke, die ich aus einer Zeit kenne, in der keiner von uns beiden wusste, wer er als Erwachsene sein würde, schickt mir manchmal Fotos von ihren eigenen Sonntagen aus München, und wir vergleichen, wessen Kaffee zuerst kalt geworden ist. Und meine Nachbarin Helwig Jansen hat mich neulich im Treppenhaus mit einem noch feuchten Bild abgefangen und fragt seitdem immer wieder leise nach, ob man so etwas eigentlich noch lernen kann, auch wenn man vorher nie gemalt hat.

Fang einfach an, auch mit 58

Du brauchst keine große Begabung und kein Atelier, um damit anzufangen – nur ein Blatt Papier, ein bisschen Wasser und die Bereitschaft, am Anfang schlechte Bilder zu produzieren. Es geht nicht darum, eine große Malerin zu werden, sondern um diesen einen Vormittag in der Woche, an dem die Farbe tut, was sie will, und das auch gut so ist.

Falls du einen sanften Einstieg suchst: Die aktuellen Konditionen findest du direkt beim Anbieter, da sich diese hin und wieder ändern können. Für mich war es die richtige Entscheidung für den Ruhestand: Hier geht es zu meinem liebsten Aquarellkurs. Vielleicht sehen wir uns ja virtuell am Küchentisch.

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