Aquarell Sonntag

Warum ein Skizzenbuch für Anfänger auf Reisen eine Bereicherung ist

Am Sanderglacis bleibt der Stift ruhig, die Linien der alten Baumreihen lassen sich in aller Gemütlichkeit nachziehen. Im ICE nach Heidelberg dagegen tanzt jeder Strich mit den Weichen, über die der Zug rattert. Genau darin liegt die Antwort auf die Frage, die mir als Aquarell-Anfängerin am häufigsten zu Reiseskizzen gestellt wird: Lohnt sich ein Skizzenbuch auf Reisen wirklich? Ja, und deshalb sammle ich hier ein paar Skizzenbuch-Tipps, die auch zeigen, warum kreativ im Ruhestand zu sein für mich heißt, den Pinsel einfach mit einzupacken.

Bevor es weitergeht, kurz zur Ehrlichkeit: In diesem Text stecken ein paar Partnerlinks zu Kursen, die ich selbst benutzt habe. Kauft ihr darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für euch ändert sich am Preis nichts. Verlinkt wird bei mir nur, was ich wirklich zuhause oder im Zug ausprobiert habe, mit allem, was dabei auch schiefgegangen ist.

Warum Reiseskizzen unterwegs anders funktionieren als zuhause

Seit ich öfter zu meiner Tochter nach Heidelberg fahre, hat sich einiges verschoben. Die Stille im Zug ist anders als die, die ich sonst kenne — voller Bewegung, voller flüchtiger Gesichter und Landschaften, die ich nicht mehr nur ansehen, sondern festhalten wollte. Die Angst war trotzdem da: Würde mein kleines Hobby vor fremden Mitreisenden überhaupt bestehen, oder würde ich mich schämen?

Eine Kollegin riet mir kurz vor meiner Pension, auch unterwegs wieder Anfängerin sein zu dürfen. Also schnürte ich ein kleines Set: ein echtes Reiseskizzenbuch mit festem Papier, dazu ein kompakter Kasten mit kleinen Farbnäpfchen, den sogenannten „Half Pans", die kaum Platz in der Tasche wegnehmen. Bevor ich lospinsele, streiche ich das Blatt einmal flach mit der Hand glatt, und unter den Fingerkuppen spüre ich die feinen Erhebungen im Papier, fast wie ganz feiner Sand.

Kompaktes Reise-Aquarellset auf dem Klapptisch im ICE – praktische Skizzenbuch-Tipps für Reiseskizzen unterwegs

Das richtige Papier für die Reisetasche

Wie schwer so ein Blatt Papier sein sollte, ist eigentlich eine ganz eigene Geschichte, die ich woanders ausführlicher erzähle — für die Reisetasche reicht mir die kurze Antwort. Ich nehme unterwegs immer 300g/m², damit sich die Seite nicht wellt, wenn im Zug doch mal zu viel Wasser auf den Pinsel gerät. Dünneres Papier hat sich bei mir im Rucksack schon einmal wellig zusammengezogen, kaum dass die Farbe trocken war, und das war kein schöner Anblick.

Lohnt sich ein Kurs für unterwegs?

Ob sich ein Kurs für die Reise überhaupt lohnt, hat mich neulich meine Nachbarin Helwig Jansen im Treppenhaus gefragt, mit dieser stillen, beharrlichen Neugier, die sie hat, wenn sie etwas wirklich wissen will. Meine ehrliche Antwort: Kommt darauf an, was du suchst. Für den Zug setze ich auf den kleinen Skizzen Video-Kurs [Reisebegleiter], weil die Impulse kurz genug sind, um zwischen zwei Bahnhöfen umgesetzt zu werden, ohne dass man sich wie im Unterricht fühlt.

Warum mir Zeichnen anfangs schwerer fiel als Malen, erzähle ich an anderer Stelle ausführlicher, aber es erklärt, warum ich im Zug lieber zum Pinsel als zum Bleistift greife. Bei DrawTuts Zeichnen Lernen bin ich nach der dritten Lektion ausgestiegen, weil sich der Bleistift in meiner Hand einfach nie richtig angefühlt hat, ganz gleich wie oft ich es versuchte. Für die kurzen Zug-Impulse dagegen war der Umstieg auf Aquarell die deutlich verzeihendere Wahl.

Was mache ich, wenn der Zug wackelt oder jemand zuschaut?

Anfangs verkrampfte sich meine Hand bei jeder Weiche, über die der Zug ratterte, weil ich krampfhaft versuchte, gerade Linien zu ziehen, wo einfach keine sein konnten. Auf einer Fahrt durch den Odenwald ließ ich den Stift dann einmal einfach mit den Vibrationen tanzen. Die Linien wurden zittrig, klar, aber sie bekamen plötzlich den Rhythmus der Reise mit hinein. Nass-in-nass zu arbeiten ist im ratternden Zug ohnehin kaum zu kontrollieren, das ist aber ein Thema für einen anderen Text. Wer sich beim ersten Strich noch unsicher fühlt, dem empfehle ich, sich mit einfachen Vorzeichnungen ohne Angst vor dem Bleistift zu beschäftigen, bevor es überhaupt losgeht.

In Mannheim versuchte ich einmal, einen schlafenden Fahrgast zu skizzieren, gerade bei den Schattenpartien unter den Augen, als er plötzlich aufwachte und mich direkt ansah. Vor Schreck wäre mir fast der Wasserpinsel aus der Hand gefallen. Zurück blieb im Skizzenbuch ein halbfertiges, geisterhaftes Gesicht, und doch erinnere ich mich beim Anblick dieser Seite genau an das Licht in diesem Moment und an mein klopfendes Herz. Ein Foto hätte dieses Gefühl nie gespeichert, und dass ein Fehler manchmal mehr weiterbringt als ein perfekter Strich, ist ein Gedanke, den ich an anderer Stelle vertiefe.

Zuschauer gehören dazu, wenn man in der Öffentlichkeit malt, und die Frage, wie man damit umgeht, kommt öfter als jede andere. Einmal beobachtete mich ein Teenager im Zug, wie ich versuchte, den bewölkten Himmel über dem Neckar zu malen. Die Farbe lief mir viel zu nass in die Ecken, und ich dachte nur: Renate, du bist fast sechzig, es muss kein Meisterwerk werden. Der Junge schaute kurz zu, nickte, und meinte nur, die Farben seien cool. Das hat mir mehr bedeutet, als ich erwartet hätte.

Detailaufnahme einer unretuschierten Reiseskizze im Aquarell-Skizzenbuch einer Anfängerin

Perfektion bleibt am Bahnsteig zurück

Perfektion darf zuhause bleiben, sobald ich in den Zug steige. Da geht es nicht um das gerahmte Wunschbild, sondern um die Atmosphäre eines Moments. Wie man Farben schichtet, um mehr Tiefe hineinzubringen, erkläre ich ausführlicher an anderer Stelle, unterwegs fehlt ohnehin oft die Zeit für mehr als zwei, drei Lagen. Farben selbst zu mischen, statt nur fertige Näpfchen zu benutzen, ist wieder ein eigenes Thema, das ich woanders behandle.

In meinem Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs] lerne ich viel über Technik, mit einer Refundrate von unter 0,6 % — das hat mich beruhigt, denn es scheint vielen so gut zu gefallen wie mir. Aber gerade dieser Kurs ist eher etwas für die Ruhe zuhause als für neunzig Minuten im ICE.

Weiße Stellen bewusst frei zu lassen, statt sie hinterher mühsam freizukratzen, ist wieder eine andere Geschichte, aber es lohnt sich, früh ein Gefühl dafür zu entwickeln. Wasserpinsel mit eingebautem Tank haben sich unterwegs bei mir bewährt, weil kein offenes Wasserglas bei der nächsten Bremsung über das Tablet des Sitznachbarn schwappen kann.

Skizzenbuch-Tipps zum Einpacken

Genau das gehört beim Urban Sketching dazu, wo es darum geht, den Moment direkt vor Ort einzufangen. Wer außerdem Fineliner und Farbe kombinieren möchte, findet dazu meine Tipps für Urban Sketching.

Eingepackt wird bei mir inzwischen fast immer dasselbe: ein Skizzenbuch mit mindestens 300 Gramm Papier, weil alles Dünnere sich zu stark wellt, dazu ein kleiner Aquarellkasten mit höchstens zwölf Farben, denn weniger ist unterwegs wirklich mehr. Zwei Wasserpinsel gehören dazu, einer für helle und einer für dunkle Töne, ergänzt um einen wasserfesten Fineliner für die Konturen. Am wichtigsten aber bleibt die Geduld mit sich selbst: Der Zug wackelt, das Licht wechselt ständig, und genau das macht den eigentlichen Charme aus.

Wenn ich heute durch die verschmierten, unretuschierten Seiten der letzten Zeit blättere, sehe ich mehr als nur Farbe: einen Nachmittag im Schatten einer alten Mauer in Heidelberg, einen regnerischen Vormittag, an dem das Gelb einer Narzissen-Skizze viel zu grell wurde, weil ich zu wenig Wasser genommen hatte. Wie der ganz erste Sonntag ohne Schule aussah, erzähle ich an anderer Stelle ausführlich; hier zählt nur, dass der Sonntagvormittag bis heute die ruhigste Zeit bleibt, in der ich male. Neulich saß ich noch bis in den späten Vormittag an einer Skizze, und als ich fertig war, hatte ich kein einziges Mal auf die Uhr geschaut. Ein Foto davon schicke ich später an Trudel Henke, meine alte Schulfreundin aus einer Zeit, in der wir beide noch keine Ahnung hatten, wer wir einmal werden würden — sie kommentiert solche Bilder meistens als Erste.

Traut euch. Packt den Pinsel bei der nächsten Reise einfach ein, auch wenn nichts davon schön werden muss, es muss sich nur nach euch anfühlen. Sucht ihr einen sanften Einstieg genau für unterwegs, ist der Skizzen Video-Kurs [Reisebegleiter] ein guter Startpunkt, weil er wenig Druck aufbaut und mit einer Refundrate von 1,72 % zwar etwas höher liegt als mein großer Kurs, aber für reine Reise-Impulse genau richtig war. Packt das Skizzenbuch ein, eure zukünftigen Ichs werden es euch danken, wenn sie in ein paar Jahren darin blättern.

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