
Ein Bleistift wiegt kaum etwas, und trotzdem hat er meine Aquarellbilder stärker verändert als jede neue Farbe, die ich mir in den letzten zwei Jahren gekauft habe. Als Aquarell-Anfängerin im Ruhestand dachte ich lange, zeichnen lernen sei eher etwas für später, wenn ich mit der Farbe schon sicherer bin. Inzwischen sehe ich das anders. Am Fenster liegt gerade wieder ein Blatt Aquarellpapier, und zum ersten Mal seit Monaten fange ich damit an, nicht mit dem Pinsel.
Bevor es weitergeht, ein ehrliches Wort in eigener Sache: Auf dieser Seite stehen Affiliate-Links zu Aquarell- und Zeichenkursen. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich verlinke nur Kurse, die ich selbst aus meiner Pension bezahlt und über Wochen ausprobiert habe – manche haben mir geholfen, einer hat sich für mich einfach falsch angefühlt, und genau das schreibe ich dann auch so auf.
Der Bleistift in der Schublade
Mein Einstieg war der Aquarell Online Kurs von Timothy90, und in den ersten Wochen ging es mir ausschließlich um Farbe, Wasser und Geduld. Zeichnen kam bei mir später und mit Widerstand. Vorher hatte ich es mit anderen ruhigen Beschäftigungen versucht, eine Lesegruppe zum Beispiel, in die ich eine Weile ging – aber die Abende dort fühlten sich zu passiv an, zu viel Zuhören, zu wenig eigenes Tun. Beim Aquarell wollte ich das Gegenteil, etwas mit den Händen, nicht nur mit dem Kopf. Kurz darauf kaufte ich mir deshalb auch den Zeichnen Lernen Kurs, legte den Bleistift aber schon nach drei Lektionen wieder in die Schublade. Das Kratzen auf dem Papier fühlte sich falsch an, fast wie Schule, und Striche üben wollte ich im Ruhestand eigentlich nicht mehr.
Warum fühlte sich der Stift so falsch an?
Vielleicht kennst du das. Man beginnt spät noch einmal etwas Neues und will sofort das schöne, freie Ergebnis sehen, nicht die mühsame Vorstufe davor. Bei mir kam dazu, dass Zeichnen und Malen zwei ziemlich unterschiedliche Fertigkeiten sind – warum das für Erwachsene beim Zeichnen oft schwerer ist als beim Malen, ist noch mal ein eigenes Thema, aber ich habe es an mir selbst deutlich gespürt.
Ich probierte trotzdem kurz den Menschen Zeichnen Masterkurs, weil ich gern ein Porträt meiner Tochter malen wollte. Nach der dritten Lektion brach ich ab, das Tempo war mir zu hoch. Als ich es trotzdem versuchte, wurde aus dem Bild meiner Tochter eher eine fremde Frau mit falschen Proportionen – zum Lachen, aber auch ein bisschen ernüchternd.

Elfrun lacht über ihre eigenen Linien
Im Gemeindehaus gibt es hin und wieder einen Aquarell-Nachmittag, und dort habe ich Elfrun Bierhals kennengelernt. Sie zeichnet mindestens so unsicher wie ich, aber wenn ihr eine Linie danebengeht, lacht sie einfach und macht weiter, ohne sich dafür zu entschuldigen. Das hat mir mehr geholfen als jeder Tipp aus einem Kurs.
Nach einem Telefonat mit ihr holte ich den Bleistift noch einmal hervor und probierte den Zeichnen Lernen Kurs ein zweites Mal, diesmal ohne den Anspruch, dass gleich ein Porträt daraus werden müsste. Es ging nur noch um einfache Formen: Kreise, Linien, leichte Schraffuren, nichts, was besonders aussehen musste.

Erst zeichnen, dann malen
Sonntagmorgens sieht mein Platz am Ostfenster inzwischen anders aus als noch vor einem Jahr. Der runde Holztisch hat ein paar Kratzer mehr in der Lackierung an der Fensterkante bekommen, und der Kaffee steht in seiner Tasse links neben dem Block, bevor ich überhaupt anfange. Das Fenster bleibt einen Spalt offen, selbst wenn es draußen noch kühl ist. Wenn ich die erste Farbe im Wasserglas antauche, riecht es kurz nach nasser Kreide und ein bisschen nach Wiese, ein Geruch, den ich inzwischen fest mit Sonntag verbinde. Auf der schmalen Ablage gegenüber trocknen die Blätter der letzten Wochen, manche gelungen, manche nicht. Die ersten zehn Minuten gehören jetzt fast immer dem Bleistift, leichte Linien für den Horizont oder eine Vase, für alles, was später Farbe tragen soll. Danach traue ich mich mit dem Pinsel mutiger, auch mit mehr Wasser, weil ich weiß, wo die Farbe hingehört. Nicht jeden Sonntag klappt das: Erst kürzlich ist mir die Linie für eine Vase zu hart geraten, und ich musste mit deutlich mehr Wasser nacharbeiten, als mir lieb war.
Es gibt noch so viel, worüber ich dabei stolpere. Das richtige Verhältnis von Wasser und Farbe zum Beispiel, oder welches Papiergewicht sich für mich am ehesten richtig anfühlt. Auch der Unterschied zwischen Nass-in-Nass und einer bewussten Schicht Farbe auf Farbe ist mir noch nicht ganz klar, genauso wenig wie die Frage, wann Maskierflüssigkeit weiße Stellen wirklich rettet oder wie negatives Malen um eine Form herum überhaupt funktioniert. Welche Pinsel meiner Hand liegen, wie Licht und Schatten ein Bild erst räumlich machen, was ich über Pigmente und ihre Beständigkeit noch lernen müsste – all das ist Stoff für andere Sonntage.
Skizzieren auf der Fahrt nach Heidelberg
Im Frühling fuhr ich mit dem Zug zu meiner Tochter nach Heidelberg, und zum ersten Mal hatte ich den Skizzen Video-Kurs dabei, den ich mir extra für solche Fahrten gegönnt hatte. Draußen zog die Landschaft vorbei, und ich versuchte nur die groben Umrisse dessen festzuhalten, was ich sah, ohne Details, ohne Schatten. Dabei verstand ich noch besser, Warum der Anfänger-Strich Kurs meine Sicht auf das Zeichnen verändert hat – eine Zeichnung für ein Aquarell darf eben nicht schon alles vorwegnehmen. Zu viele Details ersticken später die Farbe, und zu viel Radieren macht das Papier kaputt. Die Zeichnung ist nur das Gerüst, sie muss nicht hübsch sein, sie muss nur halten.
Die Hecke, die einfach gelingt
Für den Bildaufbau gilt bei mir inzwischen dieselbe Regel wie fürs Zeichnen: erst die grobe Ordnung, dann die Details – wie ich den Bildaufbau für Anfänger in meinen Aquarellen gestalte, beschreibe ich an anderer Stelle genauer.
Auf dem Würzburger Marktplatz beobachte ich manchmal, wie die Schatten der Marktstände über das Kopfsteinpflaster wandern, und solche Oberflächen fließen inzwischen in meine Bilder ein. Wie man solche Texturen im Aquarell überhaupt einfängt, beschreibe ich in einem anderen Text genauer: verschiedene Texturen in der Aquarellmalerei. In der siebten Woche mit diesem neuen Rhythmus aus Zeichnen und Malen saß ich an einem Bild mit einer kleinen Hecke im Hintergrund und mischte Grün, ohne lange nachzudenken, zwei, drei Töne ineinander, fertig. Die Farbe passte auf Anhieb, kein Nachbessern, kein zweites Anmischen. Farben mischen war für mich lange der Teil, bei dem ich am meisten gezögert habe, aber an diesem Sonntag ging es einfach durch die Hand und nicht durch den Kopf.

Was von zwei Jahren Sonntagmalerei bleibt
Wenn ich auf die ersten Blätter vom Anfang zurückschaue, muss ich schmunzeln, so viel Angst vor dem weißen Papier, so wenig Vertrauen in die eigene Linie. Der Zeichnen Lernen Kurs war für mich am Ende der Schlüssel, um diese Angst loszuwerden, auch wenn ich ihn erst beim zweiten Anlauf wirklich zu schätzen wusste. Er ist mittlerweile seit über sechs Jahren am Markt, was mir zeigt, dass ich nicht die Einzige bin, die auf diese Weise anfängt.
Mein Enkel war neulich zu Besuch und blieb länger vor einem einfachen Stillleben mit einer Kaffeetasse stehen, als ich erwartet hätte. Er meinte nur, das sehe aus wie aus einem richtigen Buch. Mehr Lob brauche ich nicht. Fehler gehören für mich inzwischen einfach dazu, nicht als Rückschlag, sondern als der Teil, aus dem später oft das bessere Bild entsteht. Der Sonntagvormittag als festes Ritual verdient wahrscheinlich einen eigenen Text, aber im Kern ist er einfach der Rahmen, in dem das alles passiert.

Falls du selbst gerade erst anfängst oder dich fragst, warum deine Aquarelle nicht so recht werden wollen: Leg den Pinsel kurz beiseite. Nimm einen einfachen Bleistift und probier es mit dem Anfänger-Strich. Es muss nicht perfekt sein. Es muss nur deins sein.