
Vier fertige Blätter liegen gerade zum Trocknen bereit, und keines davon ist aus Ton. Das ist kein Zufall. Kreativität im Ruhestand habe ich mir nämlich zweimal gesucht, einmal an der Töpferscheibe und einmal am Aquarellblock, und nur eine der beiden Spuren hat mich als Aquarell-Anfängerin bis heute gehalten.
Kurz zur Offenheit, bevor es weitergeht: Auf dieser Seite stehen Affiliate-Links, und wenn du darüber einen Kurs buchst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es dich einen Cent mehr kostet. Empfohlen wird hier nur, was ich selbst mit eigenem Ruhestandsgeld bezahlt und über Monate am Küchentisch getestet habe.
Hobbymalen mit über 50: zwei Wege, die Stille zu füllen
Nach 35 Jahren im Klassenzimmer wollte ich etwas mit den Händen machen, nicht nur mit dem Kopf. Ein Töpferkurs klang danach: Erde, Wasser, ein festes Ergebnis am Ende des Tages. Also habe ich mich angemeldet. Was ich nicht bedacht hatte: Für den Ton braucht man ruhige, gleichmäßige Hände, die die Form gegen den Schwung der Scheibe halten. Meine waren an diesem Tag alles andere als ruhig, der Klumpen rutschte immer wieder aus der Mitte, und am Ende bin ich mit lehmverschmierten Ärmeln und ohne ein einziges brauchbares Gefäß nach Hause gegangen.
Wasser ist da geduldiger. Beim Aquarell darf die Hand zittern, ohne dass gleich alles zusammenfällt, und genau deshalb bin ich dabeigeblieben. Über den Aquarell Online Kurs von Timothy90 habe ich meine ersten Schritte gefunden, mit Lektionen, die kurz genug für einen ruhigen Vormittag sind und keinen Druck aufbauen, sofort ein fertiges Bild abzuliefern.

Wasser verzeiht mehr als Ton
Loslassen war für mich als ehemalige Lehrerin ohnehin ein Thema. In der Schule musste jede Linie innerhalb der Ränder bleiben, jede Antwort entweder richtig oder falsch sein. Beim Malen habe ich mir dagegen starre Linien loszulassen erst erlauben müssen, und das ging beim Wasser leichter als bei einem Klumpen Ton, der sofort seine Form verliert, wenn die Finger ihn zu fest greifen. Eine misslungene Lasur lässt sich noch retten oder wenigstens zur Seite legen und später neu beginnen. Eine misslungene Schale auf der Töpferscheibe ist einfach nur nasser Matsch.
Meine Hände sind seit einiger Zeit morgens etwas steif, eine beginnende Arthrose macht sich vor allem bei feinen, kleinteiligen Bewegungen bemerkbar. Genau solche Bewegungen verlangt das Töpfern ständig, während ich beim Aquarell mit einem Pinsel arbeiten kann, dessen Griff dicker ist als üblich, was den Gelenken spürbar guttut. Wer nass in nass arbeitet, braucht ohnehin eher einen lockeren Arm als einen festen Griff, und dickeres Papier verzeiht dabei, wenn zu viel Wasser auf einmal fließt.
Der Küchentisch wird sonntags zur Malecke
Mein runder Holztisch an der Fensterkante hat inzwischen einen Lack, der an einer Ecke ziemlich abgewetzt ist, weil dort jeden Sonntag der Aquarellblock liegt. Das Ostfenster daneben steht auch im Winter einen Spalt offen, weil ich die kühle Luft während des Malens brauche, und links davon wartet, wie jeden Sonntag, derselbe Porzellanbecher mit Kaffee. Gegenüber, auf dem schmalen Holzbrett, trocknen die Blätter, die es geschafft haben.
An einem dieser Sonntage saß mein Enkel Leo neben mir und schaute auf ein Bild, das eigentlich nur ein misslungener Herbstwald werden sollte. Er hielt es lange gegen das Licht und meinte dann, das sähe aus wie ein richtiges Gemälde aus einer Galerie. Solche Sätze wiegen bei mir mehr als jedes Lob aus der Fachliteratur. Heidlinde Fuchs, eine Leserin, die seit einer Weile unter meinen Einträgen schreibt und selbst noch etwas weiter am Anfang steht als ich, hat mir neulich erzählt, dass genau solche kleinen Momente sie ebenfalls am Dranbleiben halten.

Skizzenheft statt Werkzeugkasten unterwegs
Gerhild Messing, eine ehemalige Kollegin, die mir kurz vor meiner Pensionierung überhaupt erst vom Aquarell erzählt hat, schickt mir ab und zu wortlos ein Foto von ihrem neuesten Bild. Das reicht mir meistens als Ansporn, den Skizzenblock auch mal aus dem Haus zu tragen. Die Festung Marienberg eignet sich dafür gut: Von der Mauer aus lässt sich der Blick über die Stadt in wenigen groben Linien festhalten, auch wenn es dort selten ruhig genug für ein ganzes Aquarell ist.
Für solche Gelegenheiten reicht ein kleiner Skizzen-Videokurs, den ich mir für die Fahrten zu meiner Tochter gegönnt habe. Wenn du selbst viel unterwegs bist, lohnen sich Tipps für das Reiseskizzenbuch, gerade weil ein Skizzenheft keine Töpferscheibe braucht und in jede Handtasche passt.
Kreativität im Ruhestand ist eine Entscheidung, kein Talent
Zwischen Ton und Wasser würde ich mich heute schneller entscheiden als beim ersten Mal. Wer kräftige, feste Bewegungen mag und nichts dagegen hat, wenn ein Versuch komplett misslingt, ist beim Töpfern vermutlich gut aufgehoben. Wer dagegen unruhige oder morgens steife Hände hat und lieber etwas beginnt, das sich auch bei einem Fehler noch retten lässt, findet im Aquarell die geduldigere Variante. Ein Fehler ist dabei ohnehin selten das Ende eines Bildes, sondern oft der Moment, an dem daraus etwas anderes wird als geplant, und genau das gehört für mich inzwischen zur Selbstverwirklichung im Ruhestand dazu.
Falls du selbst überlegst anzufangen: Für mich war der Aquarell Online Kurs der Punkt, an dem aus einem vorsichtigen Versuch ein festes Sonntagsritual wurde. Man muss dafür kein Talent mitbringen, nur die Bereitschaft, ein paar misslungene Blätter in Kauf zu nehmen, bevor die guten dazukommen.